Der feine Unterschied: Geschirr
Zum Frühstück die heißgeliebten Tassen vom Töpfermarkt, mittags die lustigen bunten Schalen aus Steingut und abends die schicken Teller aus weißem Porzellan - die meisten haben heute mehrere Geschirre im Schrank. Diese unterscheiden sich nicht nur in der Optik und im Preis, jedes Material hat seine Eigenschaften und die bestimmen den praktischen Gebrauch.
Egal ob Porzellan oder Töpferware, es handelt sich stets um sogenannte Keramikprodukte. Keramik bedeutet erdene Masse. Der Stoff aus dem Keramik gemacht wird, ist immer der eine: Ton. Unterschiedliche Metalloxide sorgen dafür, ob das Material rot, braun oder weiß ist. Das Rezept ist einfach: Man nehme Ton, Feldspat (im Gestein vorkommendes Mineral), Quarz (kristallisierte Kieselsäure) und Wasser - fertig ist eine plastische Masse, die sich wunderbar zu Gefäßen formen lässt. Nach dem Trocknen und Brennen entsteht der so genannte Scherben, die Basis für die weitere Veredelung.
Töpfertassen haben oft schon nach dem kleinsten Stoß eine Macke, Teller aus Porzellan bleiben meist länger in Form. Woran liegt das? Eine Rolle spielen die verschiedenen Tonarten, aber auch die Brenntemperaturen und Glasuren. Keramik wird in zwei große Gruppen unterteilt. Erstens Ton- und Irdengut, die zerbrechlichere Gruppe, wozu Töpferwaren und Steingut gehören. Poröseres Material wird bei geringeren Temperaturen gebrannt. Zweitens, die Gruppe des Tonzeugs. Feingemahlener Rohstoff wird bei höheren Temperaturen gebrannt. Dazu zählen Steinzeug und Porzellan.
Porzellan und Steinzeug sind stabiler und leichter zu reinigen als Töpferware und Steingut.
Schöne Formen, intensive Farben und stimmungsvolle Dekore - mit Geschirr aus Fayence- und Majolika-Keramik decken die Freunde des Landhausstils gerne ihren Tisch. Die Freude ist oft nur kurz: Teller und Tassen sind schnell angeschlagen, nach einigen Jahren können sich feine Risse auf der Glasur bilden. Fayence- und Majolika-Keramik gehören zur weniger robusten Gruppe des Tonguts. Die Preise liegen allerdings durchaus im Bereich von Porzellan, das macht die aufwändige Verarbeitung.
Erfunden wurde das Porzellan schon vor 3.000 Jahren in China. Den Namen verdankt es angeblich Marco Polo, der benannte es nach einer Muschel namens Porcella. Das zarte Geschirr, importiert aus dem fernen Osten, war lange purer Luxus, nur für Könige und Fürsten erschwinglich. Das erste Porzellan "Made in Germany" verdanken wir Ehrenfried Walther von Tschirnhaus. Seit 1710 produziert die Manufaktur von Meißen kostbares Porzellan, bis heute ist es weltberühmt. Porzellan für alle gibt es seit dem 19. Jahrhundert.
Die Rohstoffe des Porzellans sind Kaolin, ein ganz besonderer weißer Ton, auch Porzellanerde genannt, sowie Feldspat und Quarz. Nach dem Formen wird es zweimal gebrannt, zuerst bei etwa 1.000 Grad, dann bei etwa 1.400 Grad mit Glasur und je nachdem mit Dekor. Die glatte Oberfläche bleibt dauerhaft schön. Porzellan ist hart und stabil, dabei spielt natürlich auch die Dicke der Gefäße eine Rolle.
Porzellan ist robust und eignet sich bestens als Alltagsgeschirr.
Es ist als Bone-China-Porzellan im Handel und enthält weniger Kaolin, dafür wird Knochenasche untergemischt. Teller und Tassen wirken besonders zart, fast transparent. Das edle Geschirr ist der Glanzpunkt der festlichen Tafel.
Bruchfest: Vitroporzellan
Eigentlich ist es ist gar kein richtiges Porzellan, sondern eine Art Steinzeug, das porzellanähnlich wirkt. Es wird bei niedrigeren Temperaturen gebrannt als Porzellan, deshalb stehen mehr und kräftigere Farben zur Verfügung. Vitroporzellan zeichnet sich durch besonders hohe Kanten- und Bruchfestigkeit aus. Allerdings sind die Oberflächen empfindlicher und nicht so kratzfest.
Es sieht von weitem wie Porzellan aus, besteht aber aus einem ganz anderen Material: aus einem speziellen Glas, dekoriert mit bunter Farbe. Das preiswerte Geschirr aus gehärtetem Glas kann schon mal auf den Boden fallen, ohne gleich zu Bruch zu gehen. Ideal für Haushalte mit Kindern, für Gartenfeste und zum Picknick.
Unterglasur: Die Dekore kommen auf die unglasierte Oberfläche, dann wird glasiert und gebrannt.
Inglasur: Die Dekore kommen auf die glasierte Oberfläche. Die Dekorfarbe sinkt beim Brennen in die Glasur ein.
Aufglasur: Die Dekore kommen auf die glasierte und gebrannte Oberfläche und werden nur aufgeschmolzen. In der Regel erkennen Sie dieses Geschirr an den kleinen Erhebungen beim Darüberstreichen mit den Fingern.
Spülmaschinenfest: Porzellan und Steinzeug mit Unter- oder Inglasuren, das trifft für die meisten Geschirre zu. Übrigens, runde Formen sind besser zu reinigen als eckige.
Spülmaschinentauglich
: Porzellan mit Aufglasur sowie Töpferwaren und Steingut. Diese Geschirre können gegebenenfalls in die Spülmaschine, können auf Dauer aber Schaden leiden. Informieren Sie sich schon beim Kauf.
Nicht für die Spülmaschine: kostbare, handbemalte Teile und solche mit Gold- oder Platin-Deko. Vorsicht geboten ist stets bei älterem Geschirr.
Gut geeignet: Porzellan und Steinzeug.
Bedingt geeignet: Töpferware und Steingut. Bei Unklarheit hilft folgender Test: Stellen Sie einen leeren Teller etwa 30 Sekunden bei höchster Leistung in die Mikrowelle. Erwärmt er sich, so eignet er sich nicht für den Einsatz in der Mikrowelle.
Nicht geeignet: Geschirr mit Gold- oder Platindekor.
Keramik von bunten Märkten aus dem Urlaub ist ein beliebtes Mitbringsel. Doch nicht jeder Teller eignet sich zum Speisen. Aus der Glasur können sich giftige Metallsalze lösen, vor allem beim Kontakt mit Säurehaltigem wie Obst oder Salatsoße. Produkte mit unklarem Herstellungsverfahren und ohne Kennzeichnung nicht als Essgeschirr benützen, sondern besser als Deko ins Regal stellen.
Souvenirgeschirr aus dem Urlaub ist nicht immer für Lebensmittel geeignet.