Julius Maggi
(9.10.1846 bis 19.10.1912)
Sein Vater stammte aus der Lombardei, die Mutter war eine Züricher Lehrertochter. Eine glückliche Mischung aus südlichem Wagemut und nördlicher Gründlichkeit - das war Julius Maggi, der Müllersohn aus Frauenfeld, Kanton Thurgau. Nach der Schulzeit absolvierte er eine kaufmännische Lehre in Basel und besuchte danach die Rekrutenschule.
Erste berufliche Erfolge erzielte er als stellvertretender Direktor eines schweizerischen Mühlenbetriebes in Budapest, als er gerade 21 Jahre alt war.
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872 übernahm er vom Vater, der inzwischen die Hammermühle in Kempttal gekauft hatte, den Betrieb, erwarb die Stadtmühle in Zürich und später eine Mühle in Schaffhausen dazu.
Es war der Beginn der Industrialisierung. Der Arzt und Fabrikinspektor Dr. Fridolin Schuler (1832 bis 1903) erkannte als einer der ersten, dass viele Krankheiten und die hohe Kindersterblichkeit in der Arbeiterschicht auf eine einseitige und mangelhafte Ernährung zurückzuführen waren. Er versprach sich viel von eiweißhaltigen Hülsenfrüchten als Ersatz für das teure Fleisch und teilte seine Überlegungen umgehend Julius Maggi mit.
Maggi, der ja beruflich mit Mahlerzeugnissen zu tun hatte und sich stets instinktiv und leidenschaftlich dem Neuen, Kommenden zuwandte, griff den Gedanken sofort auf und begann mit Versuchen. Die Experimente verschlangen sein Vermögen, aber er gab nicht auf. 1882 entwarf und baute er die Röstpfanne zur Herstellung von Leguminosenmehlen. 1883 brachte er die ersten Leguminosenmehle in den Handel. Im Jahre 1886 wurden dann die ersten kochfertigen Suppen aus Gemüsemehlen (Erbsen und Bohnen) in Kempttal hergestellt und vertrieben. Das war die Geburtsstunde der Fertigsuppen.
Im gleichen Jahr wurde in der Schweiz die Kommanditgesellschaft "Julius Maggi & Co." gegründet, und Maggi erfand seine berühmte Maggi-Würze. Er dachte sich die eigenwillige Form der Würzeflasche aus sowie die gelb-roten Etiketten und ihre Schriftzüge. Bereits um diese Zeit betrieb er ein "Reclame- und Pressbüro", als dessen Vorsteher 1886 bis 1887 kein Geringerer als der später zu Weltruhm aufgestiegene Dichter Frank Wedekind fungierte.
Aus wirtschafts-geographischen Gründen fasste Julius Maggi 1887 auch in Deutschland Fuß. Im "Gütterli-Hüsli" in Singen begannen ein Verwalter und sieben Arbeiterinnen mit der Abfüllung und dem Versand von "Maggi's Suppenwürze". Der Siegeszug seiner Würze, Suppen- und Soßenwürfel war trotz wirtschaftlicher und kriegsbedingter Rückschläge auch nach seinem frühen Tod 1912 nicht mehr aufzuhalten.
Julius Maggi war ein schöpferischer, ruheloser Geist. Dennoch nahm er sich viel Zeit für sein Privatleben und für seine Familie. Er war zweimal verheiratet und hatte sechs Kinder: vier Töchter und zwei Söhne. Der erste Sohn starb mit vier Monaten, der zweite, Harry, einziger männlicher Nachkomme, mit 36 Jahren bereits 1926. Bis zu seinem Tode betrieb Julius Maggi Studien im Bereich der Physik, Chemie, Landwirtschaft und des Maschinenbaus. Er war der erste Automobil- und Motorradbesitzer weit und breit. Als er hörte, in Norwegen gebe es Bretter, auf denen man über den Schnee gleiten könne, ließ er diese sofort kommen und stellte seine Kinder auf Ski. Er sammelte Uhren, Pfeifen und Fotoapparate. Er liebte Tiere und hielt manchmal eine ganze Menagerie davon. Die Kühe auf seinem Gutsbetrieb trugen alle neben einer Ordnungsnummer seinen Namen. Der "Kreuzstern", den er selbst entwarf und 1894 als Schutzmarke für Maggi-Produkte hinterlegen ließ, stellte seine persönliche Lebensdevise dar: "Durch das Kreuz zum Erfolg."